Die Westerkamps ? eine Erfolgsstory

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Die Westerkamps ? eine Erfolgsstory

Walheims Judo-Trainer Frank Heynen sagt: ?Eine Mischung aus den drei Brüdern, und wir hätten einen Weltklasse-Athleten!?

Arthur (von links) ist mit 24 Jahren der Älteste, Max der Jüngste (18) und Robert (22) mittendrin. Foto: Wolfgang Birkenstock

Von Heribert Förster

Eschweiler. Dreiteilen muss sich Ellen Westerkamp jetzt nicht mehr. Das hätte die Mutter von Arthur, 24, Robert, 22, und Max, 18, sicherlich gerne getan, hätten ihre drei Jungs bei den deutschen Judo-Meisterschaften am 18./19. Januar in Riesa zeitgleich um den nationalen Titel gekämpft. Doch für Arthur kommt ein Start nicht in Frage ? Leistenbruch. So wird die Frau Mama ?nur? zwei ihrer insgesamt vier Söhne ? Felix, 20, hat doch tatsächlich mit dem Judo vor ein paar Jahren aufgehört ? am Mattenrand anfeuern.

Die Westerkamps: Es ist, man darf es so schreiben, eine Erfolgsstory. Denn in der kommenden Bundesliga-Saison, die am 4. Mai beginnt, ist es denkbar, dass die drei Brüder gemeinsam bei einem Kampf auf die Matte gehen. In der deutschen Sportgeschichte eine Rarität.

Die drei ungleichen Brüder: Das gilt für den Sport, das gilt aber auch für das ?richtige? Leben. Wer den drei Westerkamps gegenüber sitzt, erlebt: den eloquenten Robert, der in Essen Medizin studiert; den seine Worte genau abwägenden Arthur, der in Aachen in naher Zukunft sein Maschinenbaustudium beenden will. Und den Max, der in einem halben Jahr sein Abitur baut und erst einmal so alles auf sich zukommen lässt, was die Welt zu bieten hat.

Gute Bilanzen

Rein sportlich möchte Frank Heynen, zusammen mit Patrick Haas der Trainer der drei bei Bundesliga-Rückkehrer TSV Hertha Walheim, natürlich auf keinen der drei verzichten, ?alle drei machen einem Trainer sehr viel Freude?. Dennoch: ?Eine Mischung aus den drei Brüdern, und wir hätten einen Weltklasse-Athleten!?

Arthur, der Zielstrebige, Robert, das Bewegungstalent, Max, der Kompromisslose: ?Es ist schon auffallend, wie unterschiedlich die drei Jungs sind.? Das weiß Frank Heynen, das dürfen, müssen und werden auch immer wieder die Gegner feststellen. Max, der in der 2. Liga in der vergangenen Saison einmal zum Einsatz kam und diesen Auftritt wie auch seine sechs in der Regionalliga siegreich beendete, gehört die Zukunft. Arthur (sechs Siege, eine Niederlage) und Robert (fünf Siege, eine Niederlage) sind schon längst feste Größen im Walheimer Team.

Für diesen Status schuften alle drei kräftig. Zehn Trainingseinheiten in der Woche sind das Minimum, ?unser Sport ist mehr als Hobby?, sagt Robert stellvertretend. Aber um sich selbst als Leistungssportler zu bezeichnen, ?dafür wären 20 Einheiten erforderlich?. Klar, Judo bestimmt dennoch einen Großteil des Westerkamp?schen Lebens. Felix ist dann schon mal außen vor, wenn die drei über ihren Sport philosophieren, und dann sagt der 20-Jährige auch schon mal genervt: ?Ihr mit eurem Judo.? Auf die heimische Matte wird der 20-Jährige aber nicht mehr gelegt; in früheren Jahren wurden dagegen schon mal Zwistigkeiten dort ausgekämpft.

?Es gibt mehr als einen Weg?

Doch Arthur wohnt mittlerweile in Aachen, Robert in Essen. Da war es für Max ganz angenehm, dass ein gutes Jahr lang Lars Entgens seine zweite Heimat bei den Wes-terkamps hatte. Der Simmerather absolvierte in Eschweiler seine Ausbildung und ist natürlich auch einer der vielen talentierten Walheimer Judo-Kämpfer.

Als Arthur mit sieben Jahren von einem Freund mit zum Training beim Budo-Club Eschweiler genommen wurde, infizierte er sich schnell mit dem Judo-Virus. Der Freund geht schon längst nicht mehr auf die Matte, Arthur dagegen ist Judoka mit Leib und Seele. ?Es gibt nicht nur einen Weg zu gewinnen?, fasst der Student in Worte, was ihn so an seinem Sport fasziniert. ?Es ist egal, ob du groß oder klein bist?, sagt der Jugendwart des BC Eschweiler, der als Einzelkämpfer auch noch für den BC startet. Während Max kurz und knapp sagt ?der Wettkampf halt, den Partner besiegen?, schätzt Robert die Vielseitigkeit beim Judo. ?Du musst auch laufen im Training, brauchst Kraft. Und natürlich hat jeder Wettkampf seinen besonderen Reiz.?

Ein Dank an die Mama

Gab oder gibt es auch noch die ganz großen Ziele wie eine Teilnahme an Olympischen Spielen? ?Natürlich träumt man davon? sagt Max, der noch in der Klasse bis 73 Kilogramm kämpft, aber in naher Zukunft wohl wie sein Bruder Arthur ein ?81er? werden wird (Robert kämpft in der Klasse bis 90 Kilogramm). Doch so unterschiedlich die drei Westerkamps auch sind, eines ist ihnen gemein: der Sinn für die Realität. ?Mir fehlt einfach die Technik, ich habe mit 13, 14 Jahren zu wenig trainiert?, sieht Arthur seinen Zug für große Erfolge abgefahren. Um sich zum Training zu verabschieden ? trotz des Leistenbruchs. ?Ein bisschen was geht immer.?

Auch dank Mutter Ellen, die immer wieder ihre drei Judokas zum Training durch die Region chauffiert hat. ?Ohne ihr Auto und die Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen?, sagt Robert, der nach der DM in Riesa wieder dem Studium mehr Zeit widmen wird. Ganz ohne Judo geht es jedoch nicht. Gut, dass er mit dem Leverkusener Zweitliga-Kämpfer Dennis Gutsche in Essen in einer WG lebt.

(AZ/AN vom 09.01.2013)

Autor: Ulrich Niemann

Letzte Änderung: 15.04.2014

Erstellt am: 09.01.2013


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