Judokas wollen „jeden Kampf gewinnen“

Für Erstliga-Absteiger Hertha Walheim ist der Wiederaufstieg kein Muss. Die Trainer Frank Heynen und Patrick Haas setzen auf Talente.
Judokas wollen „jeden Kampf gewinnen“

 Von Heribert Förster

Walheim. Ist doch schön, wenn man so ein Luxusproblem hat. Frank Heynen hat jedenfalls eins, vielmehr: Er hatte eins. Gelöst hat er es mit Briefen an Damien Bomboir und Jérémy Cadoux-Duc, zwei in den letzten Jahren zuverlässige Kämpfer des Judo-Bundesligisten TSV Hertha Walheim. Heynen, zusammen mit Patrick Haas Trainer des Teams aus dem Aachener Süden, teilte dem Belgier Bomboir und dem Franzosen Cadoux-Duc mit, dass in der am Samstag beginnenden Zweitliga-Saison ihre Dienste nicht mehr benötigt werden.

Kämpfer aus der Region

Nicht, weil die beiden etwa zu viel Geld verlangt hätten. Beide bleiben auch trotz der Absage der Hertha verbunden. „Aber wir haben in der Klasse bis 66 Kilogramm mit Max Baczak und Maxime Junghänel zwei junge deutsche Athleten, und die beiden wollen wir auch einsetzen“, erklären Haas und Heynen. Und mit dieser Aussage geben sie direkt ein wunderbares Beispiel für die Walheimer Pläne. Für die neue Saison in der 2. Liga, für die Zukunft generell. Der TSV setzt auf die Jugend, auf Talente, auf Kämpfer aus der Region.

Und wenn dann doch einmal „Alte“ zum Aufgebot gehören, haben sie „Junge“ im Schlepptau. So Florin Petrehele (Klasse - 81 kg), den ab Freitag 36-Jährigen. Auf Empfehlung des gebürtigen Rumänen, der in dieser Saison selbst noch einmal für den TSV auf die Matte geht, hat sich der talentierte Cosmin Lazarean (23, - 60 kg) den Walheimern angeschlossen.

In dieser Gewichtsklasse kämpft auch Damien Bomboirs Schwager Nicolas Plomb, 19. Und Walheims ewiger Publikumsliebling Grim Vuijsters (31, + 100 kg) hat seinen niederländischen Landsmann Jur Spijkers, gerade einmal 17 Jahre jung, als Nachfolger für die Zukunft im Schwergewicht empfohlen. Ein großes Talent ist auch Graadje Weber, 19, aus dem niederländischen Echt (- 81 kg).

Dazu die drei Westerkamps Max, Arthur und Robert – letzterer wird nach seiner schweren Schulterverletzung noch einige Zeit benötigen –, Nils Becker nach seinem halbjährigen Australien-Aufenthalt, natürlich das sportliche Aushängeschild Lars Entgens, gelegentlich der hoch talentierte Belgier Toma Nikiforov, und, und und. Walheim ist nach dem Abstieg gut aufgestellt für die neue Saison, die mit einem Sieg begonnen werden sollte. Diese These ist nicht gewagt, der PSV Bochum wird am Samstag (18 Uhr, Sporthalle des Inda-Gymnasiums in Kornelimünster) nicht der große Prüfstein sein.

Ausgeglichen besetzt

„Ich freue mich richtig auf die Auswärtskämpfe“, sagt Heynen, und das nicht, weil er so gerne Auto fährt. Es ist der Teamgeist, der den ab Sonntag 43-Jährigen schon vorab strahlen lässt. Ein Beleg für die prächtige Stimmung ist für Patrick Haas die Teilnahme am Trainingslager jüngst, als 95 Prozent der Mannschaft in der vereinseigenen Halle war. „Das war echt super“, sagt Haas, der natürlich auch noch selbst auf die Matte geht.

Druck machen sich die Walheimer nach ihrem Abstieg nicht. „Wir wollen jeden Kampf gewinnen“, sagen Heynen und Haas, aber hinter einem Aufstieg steht kein Muss. Die Kämpfer entwickeln, sie an höhere Aufgaben heranführen, das ist die Maxime der Hertha. Der vielleicht größte Vorteil: Die Mannschaft ist in allen Klassen ausgeglichen besetzt, es gibt keinen Überflieger, aber auch kein „Fallobst“.

Spremberg, Gladbach und Hertha sind die Favoriten

22 Kämpfer und sechs Kämpfe

Sandra Winde bringt es auf den Punkt: „Es dürfte sehr eng werden an der Tabellenspitze, es wird einen Dreikampf zwischen Mönchengladbach, Spremberg und Walheim geben“, sagt die Managerin von Judo in Holle. Und Dirk Meyer, Trainer der sehr heimstarken Riege aus Spremberg, ergänzt: „Wir wollen einen Medaillenplatz, denken aber, dieses Jahr wird es so schwer wie noch nie.“

Die beiden Walheimer Trainer schätzen die Liga ähnlich ein: „Gladbach, Spremberg und wir sind die Favoriten“, sagen Heynen und Haas, „aber auch Köln und Holle sind zu beachten, wenn sie komplett antreten.“ Braunschweig ist schwer einzuschätzen, nicht mehr als Außenseiter ist Bochum. „Wir kämpfen nur um den Klassenerhalt“, sagt folglich PSV-Trainer Jürgen Wagner. (fö)

Gemeldet wurden natürlich mehr Kämpfer an den Judo-Bund, doch aus diesem Kader dürfte die Hertha ihre sechs Kämpfe bestreiten:

- 60 kg: Nils Becker, Cosmin Lazarean, Nicolas Plomb
- 66 kg: Max Baczak, Maxime Junghänel
- 73 kg: Karl Bernhard Bolz, Rupert Hammen, Urs Richter, Philip Volkmer
- 81 kg: Florin Petrehele, Arno Savelkoul, Graadje Weber, Max Westerkamp
- 90 kg: Patrick Haas, Artur Knak, Arthur und Robert Westerkamp
- 100 kg: Lars Entgens, Toma Nikiforov
+ 100 kg: Tobias Albuschies, Jur Spijkers, Grim Vuijsters

Die Kämpfe der Hertha im Überblick:
12.4.: Hertha Walheim - PSV Bochum
10.5.: Bushido Köln - Hertha Walheim
17.5.: Hertha Walheim - 1. JC Mönchengladbach
24.5.: Judo in Holle - Hertha Walheim
27.9.: KSC Asahi Spremberg - Hertha Walheim
4.10.: Hertha Walheim - Braunschweiger JC
Die Heimkämpfe finden alle samstags um 18 Uhr in der Halle des Inda-Gymnasiums in Kornelimünster statt.

Autor: Ulrich Niemann

Letzte Änderung: 15.10.2014

Erstellt am: 10.04.2014


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